Oskar Wanckel, der Sohn einer Dresdener Lehrerfamilie erlernte den Beruf eines Kaufmanns. 1868 übernahm er die Geschäftsführung des von dem Getreidehändler Carl Fritsche in Schönebeck gegründeten Speditions- und Elbschiffahrtsgeschäftes. Bereits 1867 wurde als erste private Anschlußbahn die Errichtung einer “Zweigbahn von dem Bahnhof Schönebeck nach dem Fritzeschen Lagerplatz an der Elbe” genehmigt (Amtsblatt der königlichen Regierung zu Magdeburg vom 26.01.1867). 1872 wurde die Firma zum Speditions- und Elbschiffahrtskontor AG Schönebeck umgewandelt. 1879 erfolgte die Gründung der Wanckelschen Reederei mit zwei Kähnen. 1900 waren es bereits sieben Schiffe, die die Reedereiflagge – weiße Mondsichel und Stern auf blauem Grund – führten. Neuerungen gegenüber aufgeschlossen, bemühte sich die Firma seit 1883 um Telefonanschlüsse von Schönebeck nach Magdeburg, die 1885 für zehn Schönebecker Firmen hergestellt wurden. W. gründete Niederlassungen in Magdeburg und Hamburg. Hauptumschlaggüter waren Kali- und Steinsalz, Dünger, Getreide und Futtermittel, Schwefelkies, Phosphate und Kohlen. Zum Massengütertransport kam auch der regelmäßige Stückgutverkehr. Das Speditionsgeschäft und die damit verbundene Reederei entwickelte sich zu einer der bedeutendsten auf der Elbe, die schließlich Ende der 1920er Jahre über drei Schleppdampfer und 25 Kähne mit einer Tonnage von ca. 25.000 brt verfügte, obwohl sie auf Grund des Versailler Vertrages 1919 zwei Kähne abgeben mußte. W. wirkte viele Jahre als einflußreicher Stadtrat sowie in Gremien der Elbschiffahrts-Unternehmen. 1913 wurde der Bau eines firmeneigenen Hafens begonnen, der infolge des I. Weltkrieges erst 1924 beendet werden konnte. Die Söhne Eberhard und Wolfgang Wanckel übernahmen nach dem Tode des Firmengründers 1917 die Geschäfte. Sein Grab befindet sich auf dem alten Friedhof in Schönebeck. Der Sohn des Schönebecker Reeders und Händlers Oskar Wankel, Wolfgang Wanckel, absolvierte nach dem Besuch des Gymnasiums eine Ausbildung als Kaufmann. Nach dem Tod des Vaters 1917 übernahm er zusammen mit seinem jüngeren Bruder Eberhard Wanckel die Leitung des Speditions- und Elbschiffahrts-Kontors und die damit verbundene Reederei. Eberhard war stellvertretender Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes für die Elbschiffahrt und Vorsitzender der Elbe-Großschiffer-Vereinigung. Er gehörte dem General-Vorstand der Elbschiffahrts-Berufsgenossenschaft und der Versicherungs-AG Elbe und Saale an. Während sich Eberhard Wanckel in erster Linie der Führung und dem Ausbau der Firma widmete, unternahm Wolfgang Wanckel neben seiner unternehmerischen Tätigkeit zahlreiche Reisen, legte Sammlungen zur Volkskunde an und pflegte das Schifferbrauchtum. Er war Mitglied der Freimaurerloge “Zur festen Burg an der Saale” in Calbe. 1924 gehörte er zu den Gründern der Gesellschaft für Vorgeschichte und Heimatkunde des Kreises Calbe und veröffentlichte in deren Organ, den Heimatglocken. Als Kustos und Direktor war er Motor des von der Gesellschaft 1924 gegründeten Heimatmuseums. In Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum für Vorgeschichte führte er zahlreiche Grabungen durch, von denen Funde in Halle und Berlin ihren Platz fanden. Die beim Bau der Junkerswerke geborgenen 19 Gräber aus dem frühen sechsten Jahrhundert haben mit ihren Reiterbestattungen, dem Grab eines Schmiedes mit seinen Werkzeugen und den Waffenbeigaben Bedeutung weit über unseren Raum hinaus. W. barg eiszeitliche Tierfunde von Mammut, Altelefant, Bison, Urhirsch und Pferd, auf die man bei der Erweiterung des Sprengstoffwerkes im Kies des Urstromtales gestoßen war. Das Exemplar eines eiszeitlichen Wasserbüffels, Vertreter einer bisher unbekannten Art, wurde ihm zu Ehren “buffelus wanckeli” benannt. Verdienste erwarb er sich um den Naturschutz, besonders bei der Erhaltung der Biber und des Jagdwesens. Einfluß nahm er auf die Gestaltung von Bräuchen und Volksfesten, besonders auf die “Glinder Lichtmeß”, die er fast in jedem Jahr begleitete. Die Reederei bestand unter Leitung seines Sohnes in der Hamburger Niederlassung bis in die 1970er Jahre weiter. 1949 wurde er, wie schon einmal 1946, verhaftet und, obwohl die Anklage auf illegalen Waffenbesitz und Schußwaffengebrauch nicht aufrechtzuerhalten war, zu mehrjähriger Haft verurteilt. Sein Besitz wurde wie schon der seines Bruders 1946 enteignet und er aus der Firmenvilla vertrieben. Wolfgang Wanckel hatte seit 1948 seinen Nachfolger in der Leitung des Museums herangezogen und arbeitete mit ihm im Museumsbeirat eng zusammen. Seinen Lebensabend verbrachte Wanckel in der zu Beginn des 19. Jahrhunderts erbauten und seiner Frau gehörenden Villa “Carlshall”. Auf seinen Wunsch wurde er in Altenau/Harz beigesetzt. Quelle:Magdeburger Biographisches Lexikon, Dr. Guido Heinrich
1924 wurde der Hafen des "Speditions u. Elbschiffahrtskontors" fertiggestellt
Wolfgang Wanckel Reeder, Unternehmer, Heimatforscher, Museologe geb. 02.Mai1879 Schönebeck gest. 16.Feb.1964 Schönebeck
Oskar Wanckel Reeder, Spediteur, Großhändler geb. 11.Dez.1843 Wildenfels/Sachsen gest. 03.Dez.1917 Schönebeck
Wolfgang Wankel