Die Unternehmerfamilie Allendorff
Ludwig August Wilhelm Allendorf
Wilhelm Allendorff August Allendorff
Otto-Moritz Allendorff Fabrikbesitzer, Domänenpächter, Geheimer Kommerzienrat geb. 20.02.1841 Schönebeck, gest. 19.09.1912 Groß Salze Paul-Martin-Friedrich Allendorff Oberleutnant a.D.,Stadtrat geb.1838 gest. 1901
Dr. phil. Otto Wilhelm Augustin Allendorff Fabrikbesitzer, Domänenpächter, Rittmeister geb. 24.06.1868 Groß Salze gest. 19.07.1922 Klepzig bei Köthen Willy Allendorff   
Otto-Moritz Allendorff übernahm 1870 zusammen mit seinem Bruder             Paul- Martin-Friedrich Allendorff, die von seinem Großvater Ludwig August Wilhelm Allendorff  1810 in der Innenstadt von Schönebeck gegründet  und von seinem Vater Wilhelm Allendorff und dessen Bruder August Allendorff  weitergeführte Brauerei, die er 1872 als Kaiserbrauerei  in einen Neubau auf das Gelände am Hummelberg verlagerte. Sie war eine der größten Brauereien in der Provinz Sachsen. Auch ließ er eine Dampfziegelei und eine Zichorien Darre in Schönebeck und Zuckerfabriken in Groß Salze, Gottesgnaden, Groß Paschleben und Klepzig bei Köthen errichten. Um 1900 erbaute er einen neuen Gutshof an der Magdeburger Straße. Mit dem Landwirtschaftsbetrieb bewirtschaftete er in den Kreisen Calbe und Köthen rund 1.100 ha eigenes Land und über 1.700 ha Pachtland. 1904 gründete er in Schönebeck unter altem Familiennamen die Sprengstoff- und Patronenfabrik  August & Wilhelm Allendorff. 1893 richtete er in Groß Salze eine Kinderbewahranstalt ein. Schon vor 1905 hatte Allendorff  Stiftungen von insgesamt 500.000 Reichsmark geschaffen, die an die Waisenhäuser in Schönebeck und Groß Salze, die Kinderbewahranstalt in Groß Salze, die Kaiserin-Augusta-Heilanstalt Groß Salze sowie an die Kirchen in Groß Salze, Schönebeck und Frohse nach spätestens 15 Jahren bei vierprozentiger Verzinsung gehen sollten, wovon allerdings während der Inflation 1923 viel verloren ging (1946 erlosch die Stiftung nach der Enteignung). Er entwickelte die Firma in seiner Vielseitigkeit zu einem der bedeutendsten Unternehmen im Landkreis Calbe. Allendorff, Ritter hoher Orden, war seit 1889 Vorstandsmitglied und von 1895 bis 1901 Präsident der Handelskammer Halberstadt, Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins sowie Stadtrat in Groß Salze.
Der Sohn des Schönebecker Fabrikanten Otto-Wilhelm-Augustin Allendorff  absolvierte die Realschule in Schönebeck und wechselte später an das Domgymnasium nach Magdeburg, wo er 1887 sein Abitur ablegte. Anschließend studierte Allendorff Chemie, Physik und Botanik an der Polytechnischen Hochschule Charlottenburg sowie den Universitäten in Freiburg/Breisgau und Rostock. Nach seiner Promotion 1892 trat er in das väterliche Unternehmen ein, das er 1912 nach langjähriger Mitarbeit übernahm. Durch familiäre Probleme beeinflußt, mußte er allerdings bereits 1913 die Sprengstoff- und Patronenfabrik August & Wilhelm Allendorff an die Lignose GmbH  Schönebeck, einen Zweigbetrieb des späteren Sprengstoffkonzerns Lignose AG Berlin, verkaufen. Aber schon wenig später erwarb er vier Brauereien im weiteren Umfeld und vergrößerte den landwirtschaftlichen Betrieb, der nun über 2.260 ha eigenes Land   und über 3.900 ha Pachtland bewirtschaftete. Des weiteren übernahm er die Portland-Zementfabrik in Schönebeck. 1920 wurde die Firma in Gebrüder Allendorff GmbH umgewandelt. Allendorff  war Mitglied des Aufsichtsrates der Lignose GmbH Berlin, der Zuckerfabrik Glanzig, der IDUNA-Allgemeinen Versicherungs AG Berlin und Ratsherr in Schönebeck. Nach dem Tod Allendorffs übernahm sein Bruder Willy Allendorff das Unternehmen. Durch die Wirtschaftkrise beeinflußt und von wirtschaftlichen Fehlschlägen begleitet, wurde das Unternehmen auf die Schönebecker Betriebsteile, Brauerei, Ziegelei und Landwirtschaft, reduziert und 1945 enteignet. In Schönebeck gab es von je her eine Bierbrauertradition. Die im Jahre 1810 von Ludwig August Wilhelm Allendorff gegründete Brauerei wurde 1872 nach dem Umzug von der Innenstadt auf ein größeres Gelände am Hummelberg in Kaiserbrauerei Gebr. A. & W. Allendorff umbenannt und bestand als Personengesellschaft bis 1917. Anschließend firmierte die Firme bis 1946 als GmbH und wurde danach bis 1990 unter verschiedenen Bezeichnungen als VEB geführt. Als Schönebecker Klaus-Bräu GmbH bestand diese Brauerei-Tradition nach der Wende noch bis 1992. Mitte der 90er Jahre wurden alle Gebäude abgerissen.
Viel erinnert nicht mehr an Unternehmerfamilie Allendorff, die Brauerei wurde Mitte der 90ziger Jahre abgerissen, auf dem Hummelberg gibt es noch den alten Bierkeller der seltenen Fledermäusen als unterschlupf dient, sowie die “Sternwarte”. Die Reste des Gutshofes in der Magdeburger Straße wurden abgerissen und ein ALDI-Markt errichtet. Einige Gebäude der Zichorien Darre existiert noch in der Welsleber Straße der unter anderen ein Fachhandel, Schuhlungsräume und eine Musikkneipe beherbergt. Die Dampfziegelei in der Hohendorfer Straße ist noch als OBOLIT bekannt und wird heute von einem Natur & Betonsteinwerk betrieben. Die Sprengstoff- und Patronenfabrik befand sich gegenüber der heutigen Lapua GmbH in der Wilhelm-Dümling-Straße, dem ehemaligen Sprengstoffwerk. Die Straßennamen sind der einzige Hinweis auf diese umtriebige Unternehmerfamilie deren Bedeutung kaum jemand kennt. In der Allendorffstraße, der heutigen Heinrich-Heine-Straße in Bad Salzelmen, richtete Otto-Moritz Allendorff eine Kinderbewahranstalt und ein Wohnhaus für leitende Angestellte ein. Die heutige Valentin-Feldmann-Straße trug seit ihrer Anlage seinen Vornamen - Otto-Straße und der Otto-Park. Erst 1974 wurde sie anlässlich der Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Dieppe nach dem Professor der Philosophie Valentin Feldmann (1909-1942) der in der Resistance tätig war und von den Nazis hingerichtet wurde umbenannt. Die Anna- Straße ist nach seiner Ehefrau Anna, geborene Kramer Mollenberg, benannt. Ein Teil der heutigen             Johannes-R.-Becher-Straße trug den Namen Rosestraße nach einer Tochter. Die Helenenstraße erhielt den Namen nach einer weiteren Tochter, der späteren Ehefrau des Landrats, Regierungsrat Max Pape. Nach diesem Landrat    (1889-1911) war auch die heutige Bertold-Brecht-Straße vor ihrem Ausbau als Papestraße benannt. Die Paulstraße erhielt ihre Bezeichnung nach dem Bruder von Otto-Moritz Allendorff, Paul-Martin- Friedrich Allendorff, ihr östlicher Teil wurde später in Dorotheenstraße umbenannt. Quelle:Magdeburger Biographisches Lexikon, Dr. Guido Heinrich